... GDA, FOP, BOP
Kürzlich habe ich einen Liter Milch gekauft mit 50 % weniger Kalorien. So steht es auf der Packung. 50 % weniger wovon? Weniger als bei Vollmilch oder weniger als bei Milchdrink oder bei was sonst noch? Nicht einmal im Kleingedruckten steht das. Dafür informiert man mich, dass ich mit 2,5 dl dieser Milch 4 % des «täglichen Energiebedarfs GDA» gedeckt habe. Woher kennen die meinen Energiebedarf und was ist GDA? Ich weiss von Berufs wegen, dass mit GDA (Guidelined Daily Amount) der Richtwert für die Tageszufuhr gemeint ist. Dieser wurde von den EU-Gesundheitsbehörden bei 2000 kcal für eine erwachsene, weibliche Personen festgelegt und von den meisten Lebensmittelherstellern in der Schweiz übernommen. Laut EU muss diese Deklaration auf der Vorderseite der Packung (FOP, Front of Pack) angebracht werden.
Ich bleibe also tapfer dran und rechne: Bei 1,5 dl dieser Milch und meinem persönlichen Tagesbedarf von 1600 kcal wäre ich demnach bei 3 % meines Tagesbedarfs angekommen. Wenn ich dann noch eine Portion Frühstücksflocken in die Milch schütte ... Ersparen wir uns diese Matheprüfung!
Auf der Rückseite (BOP, Back of Pack) findet man endlich, wonach man gesucht hat. Glücklicherweise gibt es hier, ebenfalls von der EU befohlen, eine Tabelle mit den üblichen Nährwertangaben bezogen auf 100 g des Produktes und im Idealfall auch bezogen auf eine übliche Portion.
Jetzt geht es ganz einfach, meine Milch liefert 50, die Frühstücksflocken 190 Kalorien, übrig bleiben 1360 Kalorien. Ziemlich einfach, nicht?
Die Verpackung mit den Frühstücksflocken liefert übrigens FOP und BOP mehr als 50 Informationen bezüglich Zusammensetzung und Ernährung. Diese Deklarationsflut erinnert mich immer öfter an Beipackzettel von Medikamenten aber nicht an Essen und Genuss.
Ruth Ellenberger, 29. Juli 2010
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